Die Dörfer und Weiler zwischen Bachtel und Pfäffikersee zeigen sich noch heute dank dem geringen Wachstum und der weitläufigen Landschaft grossteils als intakte Bauerndörfer. In gewissem Sinn wird hier die Identität, welche im 19.- und frühem 20. Jahrhundert das ganze Zürcher Oberland prägte, idealisiert und kultiviert. Das bauliche Erbe dieser Zeit ist präsent, es wird mancherorts auffallend sorgfältig gepflegt und auf unterschiedliche Art und Weise stilisiert.
Es besteht ein offensichtlicher Konsens, dass sich auch Neues mit diesem Erbe auseinandersetzen soll. Nicht umsonst sind in dieser Region diverse Weiler und historische Industriedenkmäler im Inventar des ISOS verzeichnet. In den beiden Dorfkernen von Hittnau, insbesondere dem Gebiet um die reformierte Kirche in Oberhittnau, manifestieren sich diese Beobachtungen besonders deutlich.
Das Areal des Luppmenparks, mit den denkmalgeschützten Häusern, versinnbildlicht diese auf Historischem fussende Identität geradezu ideal. Da ist als Erstes das Ensemble aus Kosthaus, Riegelhaus und Scheune zu nennen, welche das ursprüngliche Gehöft aufspannen. Bereits im 19. Jahrhundert wurde dieses durch das Gärtnerhaus und die Pflanzbeete am Luppmenbach zu einem kleinen, langgestreckten Weiler erweitert. Durch die Fabrikantenvilla mit dem dazugehörigen Park und den Webereihallen auf der anderen Seite der Dürstelenstrasse wird der bislang bäuerlich geprägte Ort mit industrieller und bürgerlicher Prägung erweitert.
Die klassizistische Villa mit dem mächtigen Baumbestand und die 100-jährige Kastanie zeugen von dieser Veränderung und manifestieren im Luppmenpark auf eindrückliche Art und Weise die Erneuerungen der industriellen Epoche. Die teilweise inventarisierten Flarz- und Bauernhäuser mit den dahinter liegenden, am Luppmenbach stehenden Industriebauten und das freie Feld gegen Süden runden den ausserordentlichen Kontext ab. Das sich jegliche Veränderung mit diesem Bestand auseinandersetzen und ihn so gut wie möglich in ein neues Ganzes integrieren muss, versteht sich von selbst. Das Repertoire des Vorgefundenen ist derart reich, sodass es, um gute Wohnungen zu bauen, nicht viel Neuem Bedarf. Es ist alles schon da und muss nur neu erzählt werden.
Credits
Auftrag: Projektwettbewerb 2021, 1. Preis
Ausführung: 2025–2029
Programm: Sanierung und Umbau mit Wohnungen und Gemeinschaftszentrum
Bauherrschaft: Gemeinde Hittnau
Mitarbeit Wettbewerb: Peter Baumberger, Karin Stegmeier, Caroline Lütjens, Alexandra Niedermayr, Mike Zweidler
Mitarbeit Ausführung:
Peter Baumberger, Karin Stegmeier, Projektleitung: Anouk Schepens, Architektur: Raphael Hecht
Landschaftsarchitektur: SMS Landschaftsarchitektur, Zürich
Bauingenieur: APT Ingenieure GmbH, Zürich
Holzbauingenieur/Brandschutz/Bauphysik: Timbatec Holzbauingenieure Schweiz AG, Zürich
HLKS-Planung: Schoch Reibenschuh AG, Volketswil
Elektroplanung: gutknecht elektroplanung AG, Zürich
Visualisierungen: OVI Images, Baden